Mittwoch, der 15.08.2018

Wir haben einander gestärkt. Briefe an Franziska Jägerstätter zum 90. Geburtstag.

Erna Putz/Manfred Scheuer (Hrsg.): Wir haben einander gestärkt. Briefe an Franziska Jägerstätter zum 90. Geburtstag.
Linz: Edition Kirchenzeitung 2003. (220 Seiten)

Die Witwe des seliggesprochenen Franz Jägerstätters, Franziska Jägerstätter, verstarb am 16. März 2013 im 101. Lebensjahr. Sie war zunächst nicht mit der Entscheidung ihres Mannes, den Wehrdienst zu verweigern, einverstanden, hatte ihn dann jedoch unterstützt und ihm Rückhalt gegeben. Am 9. August 1943 wurde ihr Mann hingerichtet, 2007 selig gesprochen. Die Sammlung von Briefen an Franziska Jägerstätter, anlässlich ihres 90. Geburtstags am 4. März 2003, spiegelt Züge ihres Charakters, wie ihre Liebenswürdigkeit und Festigkeit, ihre Spiritualität, wider, sie zeigt jedoch zugleich in oftmals sehr berührender Weise, wie viel sie und ihr Mann vielen Menschen in der näheren Umgebung und weit über die Welt verstreut als Vorbild christlichen Verhaltens und aufrechten Lebens bedeuten und bedeuteten. Insofern gibt dieser Band auch von der internationalen Strahlkraft Franz Jägerstätters Zeugnis. Der Briefteil wird von einem Einleitungsteil und einem abschließenden Informationsteil eingerahmt.

Der Einleitungsteil enthält einen Brief Franz Jägerstätters an seine Frau und Kinder vom 9. April 1943. Dieser Brief lässt die Tiefe der Liebe erkennen, in der beide einander verbunden waren. Biographische Informationen zu Franziska (und Franz) Jägerstätter gibt Erna Putz, diesen folgt eine Predigt zu dem Ehepaar Jägerstätter von Bischof Manfred Scheurer, Innsbruck.
Der Briefteil umfasst 59 Briefe aus dem Kreis der Verwandten, der Freunde und der Verehrer von Franz Jägerstätter. Die Briefe verfassten, um nur einige Namen zu nennen, der damalige Bischof von Linz, Maximilian Aichern, Kardinal Schönborn und dessen Mutter Eleonore Schönborn, Cecily Corti (die Witwe von Axel Corti), Severin Renoldner, Erika Weinzierl, Josef Steinkellner, Pavel Smutnsý, John P. McNamee, P. Donald Moore SJ, Roger Franklin, Giampiero Girardi, Klaus Heidegger-Jehle, Kleine Sr. Veronika, die Tochter von Franziska Jägerstätter, Maria, ihre Enkelin Waltraud und viele andere mehr.
Interessant und sehr aufschlussreich gestaltet ist auch der kurze Schlussteil, der über die Rehabilitierung Franz Jägerstätters wie über die Entwicklung der Friedensgebete und Gedenktage bei seiner Grabstätte in St. Radegund oder in Ostermiething bis zum Jahr 2002 berichtet. Dazu folgen Informationen zur Entstehung und den Zielen der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi, die neben anderen Vorbildern auch Franz Jägerstätter verehrt. Für an Franz und Franziska Jägerstätter Interessierte ist zudem überaus hilfreich der abschließende bibliographische Teil, der auf zahlreiche Literatur hinweist (die erste größer Arbeit zu Franz Jägerstätter erschien 1964 in Illinois, USA, von Gordon C. Zahn) und dazu auch Ausstellungen und Filme nennt.
                                   

Maria E. Dorninger