Samstag, der 21.10.2017

Leseempfehlungen

Neues und Altes: Bücher aus der Bibliothek der Pfarre St. Martin

Amazonaskind. Aus dem Regenwald nach Europa – Geschichte einer Selbstbefreiung

Sueli Menezes/ Bruni Prasske: Amazonaskind. Aus dem Regenwald nach Europa – Geschichte einer Selbstbefreiung. Hamburg: Hoffmann & Campe 2004. (320 Seiten, zahlreiche Abbildungen)

Sueli Menezes, ehemals Mitglied eines erfolgreichen Samba-Ensembles in Österreich, setzt sich für Straßenkinder und Kinderprojekte in Rio de Janeiro und São Paolo ein und gründete den Verein ‚Vitoria-Regia‘. Die zahlreichen Schmerzen ihrer eigenen Kindheit in Brasilien verhärteten sie nicht, sondern machten sie sensibel für die Leiden anderer. Aufgewachsen im Flussgebiet des Amazonas in Parana do Paratari, an einem Seitenarm des Rio Solimões, gelangte sie schließlich aus privaten Gründen nach Österreich. Verheiratet, mit Kind und integriert, holen sie die Schatten und traumatischen Erlebnisse ihrer Vergangenheit ein, der sie sich schließlich bei einer Brasilienreise mit einer Freundin stellt. Das Buch beschreibt weitgehend chronologisch die Ereignisse im Leben von Sueli Menezes, ihre Freuden, die Widrigkeiten, denen sie sich tapfer stellt, ihre Schmerzen und deren Verarbeitung.  Der Leser erhält dabei auch Einblick in das faszinierende und schwierige Leben im Amazonas-Gebiet.

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Wir haben einander gestärkt. Briefe an Franziska Jägerstätter zum 90. Geburtstag.

Erna Putz/Manfred Scheuer (Hrsg.): Wir haben einander gestärkt. Briefe an Franziska Jägerstätter zum 90. Geburtstag.
Linz: Edition Kirchenzeitung 2003. (220 Seiten)

Die Witwe des seliggesprochenen Franz Jägerstätters, Franziska Jägerstätter, verstarb am 16. März 2013 im 101. Lebensjahr. Sie war zunächst nicht mit der Entscheidung ihres Mannes, den Wehrdienst zu verweigern, einverstanden, hatte ihn dann jedoch unterstützt und ihm Rückhalt gegeben. Am 9. August 1943 wurde ihr Mann hingerichtet, 2007 selig gesprochen. Die Sammlung von Briefen an Franziska Jägerstätter, anlässlich ihres 90. Geburtstags am 4. März 2003, spiegelt Züge ihres Charakters, wie ihre Liebenswürdigkeit und Festigkeit, ihre Spiritualität, wider, sie zeigt jedoch zugleich in oftmals sehr berührender Weise, wie viel sie und ihr Mann vielen Menschen in der näheren Umgebung und weit über die Welt verstreut als Vorbild christlichen Verhaltens und aufrechten Lebens bedeuten und bedeuteten. Insofern gibt dieser Band auch von der internationalen Strahlkraft Franz Jägerstätters Zeugnis. Der Briefteil wird von einem Einleitungsteil und einem abschließenden Informationsteil eingerahmt.

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Hätte ich nicht eine innere Kraft

Carl Lampert: „Hätte ich nicht eine innere Kraft…“. Leben und Zeugnis. Hrsg. von Susanne Emerich. Mit Briefen von Carl Lampert und diversen Beiträgen u.a. von Reinhold Stecher. Innsbruck u.a.: Tyrolia 2012. (128 Seiten, zahlreiche Abbildungen)

Wie verhält man sich in schwierigen Zeiten, wenn zunächst verdeckt, sodann immer offener das Bekenntnis zum Christentum im eigenen Lande gefährlich wird? Ein Beispiel dafür gibt Mons. Dr. Carl Lamprecht, Kirchenrechtler aus Göfis in Vorarlberg und Provikar der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch zur Zeit des Hitlerregimes. Wiederholt intervenierte er gegen die Einschränkung der Kirche und der Seelsorge der Priester durch die die Gauleitung. Lamprecht wurde inhaftiert, in verschiedene Konzentrationslager gebracht, freigelassen, denunziert, neu inhaftiert und im Zuchthaus „Roter Ochse“ in Halle an der Saale hingerichtet. Berührend sind die Briefe Carl Lamprechts aus seinen schweren Stunden, seine inneren Kämpfe, sein Festhalten an Gott, der ihm in den dunkelsten Stunden Zuflucht und Trost bietet. Der Kreuzweg geht nun zur letzten Station (S. 109), schreibt er an seinem letzten Lebenstag.

Maria Dorninger

Ab morgen Mönch

Bruder Longinus Beha (mit Gerald Drews): Ab morgen Mönch. Ein Afghanistansoldat geht ins Kloster. München: Pattloch 2009  (272 Seiten, zahlreiche Abbildungen)

Was bewegt einen jungen Mann Mönch zu werden und ins Kloster zu gehen? Bruder Longinus Beha erzählt seinen ganz besonderen Weg, der ihn in die Benediktinererzabtei Beuron und zu seinem neuen Leben führte. Zunächst als Frank Beha Zeitsoldat bei der Bundeswehr und bei Auslandseinsätzen aktiv eingesetzt, entdeckt er (zunächst kaum an Glaube und Religion interessiert) allmählich seine innere Bestimmung  und die Attraktivität des mönchischen Lebens für sich, in das er ebenso seine beruflich-erlernten Kenntnisse einbringen kann. Im Verlauf von Bruder Longinus‘ Erzählungen über die Schwierigkeiten, Hoffnungen und Freuden seines Lebens ersteht nicht nur ein Bild unserer Zeit, sondern es eröffnet sich in gleicher Weise die Welt des Klosters mit ihrem eigenen Lebens- und Tagesrhythmus und ihren Traditionen, die nicht in die Weltferne, doch in die Stille und Besinnung führen. Nur wenigen ist der Tagesablauf im Kloster oder das tägliche Leben mit den Brüdern in der Gemeinschaft vertraut. Abgesehen von seinem eigenen Werdegang sind daher besonders kostbar und eindrucksvoll die Einblicke, die er in den Klosteralltag gibt: die gemeinsamen Gebetszeiten, die Arbeitsaufteilungen, das einfache Leben oder auch die Vorbereitungsphasen, die zur Aufnahme in die Mönchsgemeinschaft führen.

Maria E. Dorninger

Meine Freundin, die Nonne

Ilka Piepgras: Meine Freundin, die Nonne. München: Droemer 2010. (297 Seiten, zahlreiche Abbildungen)

Oftmals trennen sich die Lebenswege der besten Schulfreunde, doch manchmal gibt es Jahre danach ein Wiedersehen. Ähnlich geht es den beiden zunächst unzertrennlichen Schulfreundinnen Ilka und Charlotte, die sich nach 20 Jahren in einem griechischen Kloster wieder treffen. Dazwischen liegen Jahre, in denen der Kontakt zwischen ihnen abgebrochen und eine gewisse Entfremdung eingetreten ist. Die eine ist Journalistin geworden, die andere, Charlotte, zunächst Kunststudentin, hat als evangelische Christin ihre Berufung in der Orthodoxie gefunden. Erst einfache orthodoxe Nonne leitet sie nun als Äbtissin drei Klöster. Dieser Lebensweg ist für Ilka unverständlich und etwas verstörend. In den Gesprächen mit der Freundin und durch ihr Mitleben im Kloster wird Ilka allmählich immer mehr deutlich, warum Charlotte diesen besonderen Weg, das Christentum zu leben, für sich gewählt hat.

Maria Dorninger